Zeitungsbericht

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Haus der Reptilien

Zeitungsbeitrag im "Der Bote" über das Haus der Reptilien.

 Im Reich von Echsen und Schlangen

Nattern in schillerndem Rot, in buttrigem Gelb, gestreift, gefleckt – Hobbyzüchter Heinz Heiderich hat sie alle. Es war die Faszination, die seine Liebhaberei zur Leidenschaft werden ließ. Zwischenzeitlich leben in seinem Reich über dreißig Schlangen und drei Chamäleons.

 

EZELSDORF – Pantherchamäleon Paul sitzt in seinem Terrarium auf seinem Ast und präsentiert eine beeindruckende Schau von hellem Grün bis hin zu strahlendem Rot. Das bedeutet: Paul hat heute gute Laune. Denn seine Farbnuancen hängen nicht nur vom Umfeld ab – wie so manche Fotowerbung glauben lässt – sondern auch von Pauls Stimmung. „Wenn er schlecht drauf ist, erscheint er dunkelgrün“, sagt Heinz Heiderich. Das komme dann vor, wenn sein Besitzer ihn piesacke, scherzt er.

 

Wer das blau angestrichene Haus im Burgthanner Ortsteil Ezelsdorf betritt, kann nicht erahnen, welches Reich sich dort im Untergeschoss verbirgt. Der 57-Jährige steht im Keller inmitten von Terrarien voller Pflanzen, Hölzern, dem ein oder anderen Chamäleon – und vielen Schlangen. 20 Terrarien und 35 Tiere beherbergt das „Haus der Reptilien“, wie Heiderich sein Tierdomizil selbst nennt.

 

Schon ganz früh begann Heiderichs Leidenschaft. Doch erst seit einigen Jahren kann er sie voll ausleben. Als kleiner Junge fand er eine Blindschleiche im Wald und nahm sie auf. Als Zuhause auch noch Junge schlüpften, war sein Glück vollkommen. Er päppelte Mutter und Kinder auf – und setzte sie anschließend mit seinen Freunden im Wald aus. Doch die Beschäftigung mit der Echse war nicht die einzige tierische Begegnung dieser Art.

 

Wunderbare Geschöpfe

 

Unter dem Schuhschrank lebte ein Igel, in der Hütte hinter seinem Elternhaus noch viele weitere „Fundstücke“ wie Echsen und Insekten. Heiderich lacht. „Meine Mutter durfte von all dem natürlich nichts wissen.“ Als er in der Schule als Zwölfjähriger bei einer Reptilienshow eine fünf Meter lange Python in den Armen halten durfte, war es gänzlich um ihn geschehen. Es seien wunderbare Geschöpfe, diese Schlangen.

 

Doch jahrelang fehlten Zeit und Geld. Im Jahr 2003 kam der Nordhesse der Liebe wegen nach Franken, erwarb in Ezelsdorf ein Haus – und kaufte sich ein Terrarium, das er in den Werkstattkeller stellte. So fing alles an. „Und dann kam eins nach dem anderen hinzu“, erzählt Heiderich. Seit der ehemalige leitende Angestellte in Rente ist, verbringt Heiderich mindestens zwei bis drei Stunden pro Tag im Keller bei seinen Tieren. „Es ist jeden Morgen herrlich, den Raum zu betreten.“

 

Auf dem tierischen Speiseplan steht Maus. Heiderichs kleine Schlangen lassen sich kleine Mäuse schmecken, Pinkys genannt. Für die älteren darf’s dann auch die größere Variante namens Speckys sein. Heiderich bezieht die Nahrung tiefgefroren und taut die Mahlzeiten vor der Fütterung auf. Warum kein Lebendfutter? „Die Schreie der Mäuse konnte ich einfach nicht ertragen“, sagt Heiderich.

 

Das Pflegen seiner Reptilien mache dem Tierliebhaber heute noch so viel Spaß wie am ersten Tag. „Es ist wie eine Sucht.“ Eine Sucht, die er mit dem Schwiegersohn seiner Frau teilt. Zu zweit haben sie das Haus der Reptilien auf die Beine gestellt, der Junior betreut die Homepage. Auf dieser tauschen sich Schlangenfans aus dem ganzen deutschsprachigen Raum über ihre Erfahrungen aus. Dort stellt Heiderich auch seine Tiere vor, berichtet von seinen Zuchterfolgen. Heiderich züchtet nur für seine eigene Freude, nicht fürs Geld. „Wir sind keine Züchter, die Massen produzieren.“ Auf Messen verkauft er die Jungtiere, die er aus Platzgründen nicht behalten kann.

 

Giftschlangen kommen ihm nicht ins Haus – und so sind es vor allem Kornnattern, also kleine Würgeschlangen, die im Keller seines Hauses leben. Für eine Natter mit einem gelben Farbton, deshalb „Butter“ genannt, muss ein Käufer an die 50 Euro hinlegen, für eine Kornnatter, die längs gestreift ist, auch mal bis zu hundert.

 

Welche Kreuzungen bei seinen Schlangen möglich ist, weiß Heiderich aus Büchern und der eigenen Zuchterfahrung. Mendelssohns Erblehre macht’s möglich. In einigen Jahren will er den ganz großen Wurf landen. Erst vor kurzem hat er sich zwei Königphytons gekauft. Die zwei Jungtiere sind schwarz und gelb gemustert, Fachleute sprechen von Mojave het. Ghost. In zwei Jahren, wenn die Schlangen im Paarungsalter sind, will er mit ihnen sogenannte Leuzisten züchten: Schneeweiße Schlangen mit leuchtend blauen Augen. Diese Gene tragen die Eltern bereits in sich, doch erst bei den Jungtieren der beiden wird es sichtbar. Heiderich gerät ins Schwärmen, wenn er von seinem Zuchtvorhaben spricht. Mit einem Leuzisten würde ein Traum wahr werden.

 

Doch nicht nur Schlangen züchtet der Herrscher über das Haus der Reptilien. Auch Echsen und Pfeilgiftfröschen hat er schon Geburtshilfe geleistet. Damit hat er allerdings vergangenen Herbst aufgehört und die Tiere abgegeben. Die Faszination Schlange war einfach zu groß.

 

Drei Chamäleons tummeln sich dennoch im Ezelsdorfer Keller: Darunter Paul und seine schillernde Partnerin namens Pauline. Die Zucht dieser Tiere ist nicht einfach. Ganze neun Monate dauert es, bis die Kleinen aus ihren Eiern schlüpfen. Doch Heiderich und seine Frau Heike hoffen, dass Paul und Pauline irgendwann einmal Eltern werden. Das Weibchen war ein Geschenk für seine Frau zum Geburtstag und lebt bis zur Paarung noch getrennt von ihrem Partner in einem eigenen Terrarium.

 

Schlangen haben für ihren Weg in die Welt übrigens einen sogenannten Eizahn. Das ist ein kleines Horn am Kopf des Tieres, das es verwendet, um die Eischale zu knacken. Faszinierend diese Reptilien. Kai Mirjam Kappes

 

www.hausderreptilien.de